Am 1. Juni 2026 fand die mittlerweile vierte Informationsfahrt zur Braunkohlesanierung im Leipziger Neuseenland statt. Zahlreiche regionale Mandatsträger aus dem Sächsischen Landtag und dem Deutschen Bundestag sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Kommunen, Wirtschaft und Verbänden nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch über aktuelle Entwicklungen und zukünftige Herausforderungen in der Region.
Organisiert wurde die Veranstaltung – wie bereits in den Jahren 2011, 2016 und 2021 – von der Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland in Zusammenarbeit mit dem Regionalen Planungsverband Leipzig-Westsachsen. Die Gesamtmoderation übernahmen Landrat Henry Graichen als Sprecher der Steuerungsgruppe sowie Patrick Halka, Leiter des Regionalen Planungsverbands Leipzig-Westsachsen.
Die Informationsfahrt führte die Teilnehmenden zu insgesamt sechs Stationen im Leipziger Neuseenland. Vor Ort wurden laufende Projekte, infrastrukturelle Entwicklungen sowie zukünftige Handlungserfordernisse vorgestellt und diskutiert.
Der erste Haltepunkt war der Stadthafen Leipzig. Dort erläuterten Rüdiger Dittmar und Angela Zábojník vom Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig, die Entwicklung des Stadthafens zu einem zentralen wassertouristischen Knotenpunkt der Messestadt. Im Mittelpunkt standen dabei die Fortschritte beim Ausbau der Gewässerverbindungen sowie die zunehmende Bedeutung des Wassertourismus für die Stadtentwicklung Leipzigs.
Am Seelhausener See, der zweiten Station der Informationsfahrt, informierten der 1. Beigeordnete des Landkreises Nordsachsen, Dr. Eckard Rexroth, und die Lotsin Seenentwicklung, Julia Wedemann, über den aktuellen Stand der See- und Strandentwicklung sowie über zukünftige Nutzungsperspektiven. Dabei wurden insbesondere die touristischen Potenziale und naturräumlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Gebietes hervorgehoben.
Ein weiterer Schwerpunkt der Befahrung war die geplante Bootspassage „Neue Harth“ zwischen dem Zwenkauer und dem Cospudener See. Angela Zábojník verdeutlichte vor Ort die besondere Bedeutung der Gewässerverbindung als „Schlüsselmaßnahme im Leipziger Neuseenland“. Für die Umsetzung des Vorhabens sei insbesondere Planungssicherheit erforderlich, auch mit Blick auf Anforderungen des Hochwasserschutzes. Unterstützt wurde dieses Anliegen von Holger Schulz, dem Verbandsvorsitzenden des Zweckverbands Neue Harth und Bürgermeister der Stadt Zwenkau.
Am Aussichtspunkt des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain standen die Herausforderungen des auslaufenden Braunkohlenbergbaus sowie der damit einhergehenden Unternehmenstransformationen im Mittelpunkt. Bastian Zimmer, Direktor Planung der MIBRAG, erläuterte die Auswirkungen des bereits für das Jahr 2035 vorgesehenen Endes der Braunkohleverstromung. Im Zuge der Wiedernutzbarmachung der Tagebaue entstehen vier neue Seen mit einer Gesamtfläche von rund 16 Quadratkilometern. Der größte davon, der Pereser See, wird 12 Quadratkilometer groß, rund 430 Millionen Kubikmeter Wasser fassen und bis zu 80 Meter tief sein. Damit wird sein Wasservolumen größer sein als das des Geiseltalsees. Gleichzeitig treibt die MIBRAG ihren Unternehmenswandel voran: Ein zentraler Baustein der Transformation ist der Ausbau erneuerbarer Energien, darunter die Errichtung eines Windparks.
Ein Kurzstopp im Besucherzentrum des Kraftwerks Lippendorf bot den Teilnehmenden anschließend die Möglichkeit, Einblicke in die Energieerzeugung und die technischen Abläufe des Kraftwerksstandortes zu gewinnen.
Am sechsten und letzten Haltepunkt an der Seepromenade des Markkleeberger Sees stand u.a. die aktuelle Situation des Störmthaler Kanals im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden bestiegen das Fahrgastschiff „Markkleeberg“ zu einer Rundfahrt über den See und nahmen dabei sowohl die Getzelauer Insel, die neu entstandene Jugendherberge, den Kanupark sowie die Baustelle des Störmthaler Kanals in Augenschein. Thematisiert wurden insbesondere die derzeitige Sperrung des Kanals und der Kanuparkschleuse, die laut Oberbürgermeister Karsten Schütze zu den meistgenutzten Schleusenanlagen Deutschlands zählte. Kommunale Perspektiven aus Sicht der Stadt Markkleeberg und der Gemeinde Großpösna, unternehmerische Einschätzungen von der Personenschifffahrtsgesellschaft sowie vom Bergbausanierer LMBV rundeten das „Finale“ der Informationsfahrt bei guter kulinarischer Versorgung entsprechend ab.
Während der Busfahrt zwischen den einzelnen Stationen wurden weitere Projekte und Entwicklungen der Braunkohlesanierung sowie deren Bedeutung für die regionale Entwicklung erläutert und diskutiert.
Im Verlauf der Informationsfahrt wurde deutlich, wie stark sich das Leipziger Neuseenland mithilfe der Finanzierungsinstrumente der Braunkohlesanierung in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Die Region hat sich sowohl zu einer bedeutenden touristischen Destination als auch zu einem wertvollen Natur- und Erholungsraum gewandelt. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass auch künftig erhebliche Herausforderungen bestehen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Strukturwandel, der Infrastrukturentwicklung sowie der nachhaltigen Sicherung der Gewässerlandschaft – hierfür ist auch zukünftig eine auskömmliche Finanzierungsgrundlage unabdingbar!
Bild oben: Gruppenbild an der Seepromenade am Markkleeberger See © Landkreis Leipzig, Belinda Regn
Bilder unten: Die einzelnen Stationen der Informationsfahrt © Geschäftsstelle Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland, Daniela Herburg